Zeit ist Geld, ist Sicherheit, ist Qualität –
ein Plädoyer für bessere Arbeitsbedingungen

Die Rechnung ist einfach. Je mehr Zeit ein Untertitler für seine Arbeit hat, desto besser wird das Ergebnis. Bei knappen Deadlines und Turbo-Untertitelungen bleibt keine Zeit für ausführliche Recherche oder das Feilen an Formulierungen und Stil. Die erste Version muss passen, weiter zum nächsten Untertitel, und so hetzt man durch den Streifen. Je weniger Geld der Untertitler bekommt, desto mehr Untertitel muss er pro Stunde schaffen, desto mehr Aufträge muss er annehmen, desto weniger Zeit hat er – für seine Arbeit und für sein Privatleben.

Zeit ist Geld. Zeit ist aber auch Privatleben. Wenn der Kunde am Freitagabend anruft, während der Untertitler gerade im Kreis der Freunde oder der Familie auf das Wochenende anstößt, dann springt der Dienstleister auf und gibt Änderungen ein oder untertitelt mal kurz einen Clip, den der Kunde sofort braucht. Denn der Kunde ist ein guter Kunde, man will ihn nicht vergraulen, und der Kunde erwartet, dass man am Wochenende arbeitet. Ein Untertitler hat kein Privatleben zu haben – wie viele andere Freiberufler und Selbständige auch.

Denn Untertitler sind in der Regel Freiberufler. Der Staat will Steuern, der Freiberufler will sich sozial absichern. Krankenkassen sind teuer, Rentenversicherung auch. Viele Freiberufler verzichten auf die beste Krankenkasse, verschieben die Rentenversicherungszahlungen auf bessere Zeiten. Und sie haben ein ungutes Gefühl dabei – Geld ist soziale Sicherheit.

Je mehr Zeit und Ruhe und Vergnügen der Untertitler hat (und wir alle machen Untertitel aus Leidenschaft), desto besser wird die Qualität der Untertitel. Zeit ist Qualität.

Kommt der Zuschauer aus dem Kino und erinnert sich nicht, dass der Film untertitelt war, hat der Untertitler alles richtig gemacht. Gute Untertitel bemerkt man nicht. Gute Untertitel sind leicht lesbar, sie fügen sich in den Rhythmus des Films ein, stören das Bild nicht, geben dem Zuschauer Zeit, sich auf den Film zu konzentrieren, den Schauspielern auch mal ins Gesicht zu schauen und ihre Muttersprache zu hören. Gute Untertitel erlauben ungetrübte cineastische Erlebnisse und Authentizität.

Schlechte Untertitel hingegen wirken sich auf das gesamte Filmerlebnis aus. Sie lenken die Aufmerksamkeit des Zuschauers so stark auf den Text, dass für die Bilder keine Zeit bleibt, und sie verderben damit den Genuss. Das Gefühl, die Hälfte eines Films verpasst zu haben, weil man den Untertiteln nicht folgen konnte, kennen viele. Das ist ärgerlich und unnötig, aber dennoch schon fast der Normalfall.

Ein Film ist ein Kunstwerk, er verdient Respekt. Man stellt ja auch keinen Picasso in die Rumpelecke, sondern hängt ihn an eine weiße Wand und beleuchtet ihn schön. Einen guten Film, dessen Produktion mit viel Engagement, Zeit und Geld betrieben wurde, sollte man nicht mit schlechten Untertiteln verschandeln. Nur gute Untertitel werden dem Medium Film gerecht.

Doch nicht nur im Kino, auch im Fernsehen, auf DVDs, in Videoclips, im Internet, in Museen, in der U-Bahn, auf Messen – gute Untertitel, die sorgfältig bearbeitet und an das jeweilige Medium angepasst sind, werden überall gebraucht. Qualität lohnt sich, nur damit lassen sich wichtige Inhalte unbeeinträchtigt an den Zuschauer bringen.

Es besteht also ein Zusammenhang zwischen Untertitelqualität, Bearbeitungszeit und Entlohnung von Untertitelungen. Eine gute Untertitelung braucht Zeit. Um sich die nötige Zeit nehmen zu können, muss der Untertitler einen fairen Lohn für seine Arbeit erhalten. [kp]