Untertitel und Urheberrechte – die VG Wort

Was ist die VG Wort?
Die VG Wort ist eine Verwertungsgesellschaft für Urheberrechte in Deutschland, ähnlich wie die weitaus bekanntere GEMA. Während die GEMA die Rechte von Komponisten und musikalischen Textdichtern verwaltet, ist die VG Wort für gesprochene und gedruckte Texte zuständig. Tantiemen werden sowohl an Autoren als auch an Übersetzer ausgezahlt – und zwar unabhängig vom Honorar, das der eigentliche Auftraggeber gezahlt hat, denn mit diesem Honorar sind normalerweise nur die Erstrechte abgegolten. Die Tantiemen der VG Wort beziehen sich dagegen auf Zweitverwertungsrechte, z. B. private Vervielfältigung und Verleih.

Und die VG Wort zahlt auch für Untertitel?
Im Prinzip ja – wenn eine urheberrechtlich relevante Leistung erbracht wurde. Faktisch heißt das: Untertitel werden vergütet, wenn sie aus einer Fremdsprache übersetzt wurden. Bearbeitungen von bestehenden Übersetzungen oder Hörgeschädigten-UTs (Deutsch–Deutsch) erreichen nicht die nötige „Schöpfungshöhe“ und werden üblicherweise nicht anerkannt.

Werden alle übersetzten Untertitel vergütet, unabhängig vom Medium?
Nein. Die VG Wort verwaltet nur die Rechte für Fernsehausstrahlungen im Free-TV und für Leihmedien. Wenn ein Film also nur als Kauf-DVD und nicht als Verleih-DVD erschienen ist, gibt es kein Geld. Besonders ungünstig sieht es bei Fernsehserien aus, denn nur die allerwenigsten Serien-DVDs erscheinen auch als Verleihversion. Übrigens: Auch die Untertitelung von Bonusmaterial wird vergütet!

Im Fernsehbereich gilt neuerdings auch die Einschränkung, dass nur Programme mit einem bundesweiten Marktanteil von mindestens 0,8 Prozent berücksichtigt werden. Dazu zählen neben den Hauptsendern (Das Erste, ZDF, RTL, SAT.1, ProSieben …) u. a. sämtliche Dritten Programme sowie 3sat, Arte und Phoenix, nicht aber die kleinen Digitalsender wie Einsfestival, ZDFkultur oder Sixx. Ausstrahlungen im Pay-TV werden grundsätzlich nicht vergütet.

Was muss ich tun, um Tantiemen zu bekommen?
Wer Geld von der VG Wort haben will, muss zunächst einen (kostenlosen) Wahrnehmungsvertrag mit ihr abschließen. Das kann jeder tun, der entweder Staatsangehöriger eines EU-Landes (plus Island, Norwegen und Liechtenstein) ist oder einen festen Wohnsitz in Deutschland hat. Wer für das laufende Jahr Ansprüche anmelden will, muss den unterschriebenen Vertrag bis 31.12. per Post an die VG Wort geschickt haben.

Danach muss dann jeder einzelne untertitelte Film und jede Serienfolge bei der VG Wort gemeldet werden. Dafür gibt es unter www.vgwort.de ein Online-Meldesystem. Meldeschluss ist jeweils der 31.01. für Ausstrahlungen und Veröffentlichungen des Vorjahres. Man sollte also am besten irgendwann zwischen Weihnachten und Ende Januar einen Tag für die Werkmeldungen und die entsprechenden Recherchen (Sendetermine, DVD-Vertriebsnummern) reservieren. Es sind aber auch noch Nachmeldungen bis zu zwei Jahre später möglich. Bis zum 31.01.2013 können also Werke aus den Jahren 2012, 2011 und 2010 gemeldet werden – sofern für den jeweiligen Zeitraum schon ein Wahrnehmungsvertrag bestand.

Muss mein Name im Abspann stehen?
Nein. Für die VG Wort ist es unerheblich, ob der Name des Übersetzers im Abspann genannt wird. Jeder ist für die Meldung seiner Werke selbst verantwortlich. Probleme gibt es nur, wenn zwei Übersetzer Ansprüche auf dasselbe Werk anmelden. Dann sperrt die VG Wort die Ausschüttung für dieses Werk, bis beide sich geeinigt haben.

Was springt unterm Strich dabei heraus?
Die Gelder werden nach einem komplizierten Punktesystem verteilt. Eine Primetime-Ausstrahlung im ZDF bringt z. B. mehr als eine Nachtwiederholung im RBB. Die Hauptausschüttung erfolgt jährlich Ende Juni/Anfang Juli, und man weiß vorher nie, wie hoch die Summe sein wird.

Wer ein oder zwei Werke gemeldet hat, kommt eventuell nur auf einen zweistelligen Betrag, bei einer größeren Anzahl kann es auch vierstellig werden. Der Aufwand lohnt sich aber auf jeden Fall, denn für einen Film, der einmal bei der VG Wort gemeldet ist, können auch in den Folgejahren noch Tantiemen gezahlt werden, z. B. wenn er im Fernsehen wiederholt wird.

Besonders günstig sieht es für Kolleginnen und Kollegen aus, die nicht nur untertiteln, sondern auch Rohübersetzungen für Synchronisationen machen, denn die werden im DVD-Bereich besser vergütet und im Fernsehen häufiger gesendet.

Neben der Hauptausschüttung im Sommer können in unregelmäßigen Abständen noch weitere, kleinere Zahlungen erfolgen (oft im November/Dezember), z. B. für Ausstrahlungen im österreichischen Fernsehen.

Muss ich die Tantiemen versteuern?
Ja. Die Zahlungen der VG Wort (ggf. inkl. 7% Mehrwertsteuer) sind Bestandteil der Betriebseinnahmen.

Wo finde ich weitere Informationen?
http://www.vgwort.de/teilnahmemoeglichkeiten/wahrnehmungsberechtigte.html
http://www.vgwort.de/auszahlungen/fernsehen.html
http://www.vgwort.de/auszahlungen/video-dvd.html
https://www.mediafon.net/ratgeber_haupttext.php3?si=503b8aa7287af&id=40e5663e2723d

Wo kann ich die Daten der von mir übersetzten Filme recherchieren (Sendetermine, DVD-Vertriebsnummern etc.)?
http://www.prisma.de/fernsehen/tv.html
http://www.tvtv.de/tvtv/index.vm?lang=de
http://www.tvinfo.de/
http://www.cinefacts.de/dvd/
http://www.mediabiz.de/video/datenbanken
http://www.ofdb.de/view.php?page=start

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Wie melde ich Untertitel bei der VG Wort?
Im Meldeformular der VG Wort soll die Übersetzung von Untertiteln mit der Bezeichnung „Rohübersetzung für Untertitel“ gemeldet werden. Spotting ist nicht vergütbar. (Die Tätigkeit, die nur mit „Untertitel“ bezeichnet ist, soll bald aus dem Meldesystem gestrichen werden, weil dies eigentlich nur als redaktionelle Arbeit zu verstehen und somit nicht vergütbar ist.) Wenn es von dem betreffenden Film nur eine OmU-Fassung gibt, also parallel keine Synchro, oder die betreffende DVD etwa nur mit den Untertiteln und nicht mit der Synchronfassung erscheint, kann man zusätzlich noch das Kästchen „OmU“ anklicken.

Untertitel auf einer DVD gelten für die VG Wort als Bonusmaterial und werden in jedem Fall mit niedrigeren Prozentsätzen vergütet als die Synchronfassung, weil die VG Wort davon ausgeht, dass nur wenige Nutzer die Untertitel anschauen. Das heißt aber NICHT, dass man sie auch als Bonusmaterial melden soll.

Was ist mit  Hörgeschädigten-Untertiteln (SDH) und Untertiteln auf Basis der Synchronfassung?
SDH und Untertitel auf Basis der Synchronfassung – sei es direkt vom deutschen Ton oder per copy & paste vom deutschen Dialogbuch übernommen – sind nicht vergütbar, weil sie in den Augen der VG Wort nur eine redaktionelle und keine eigenschöpferische  Arbeit wie das Übersetzen selbst darstellen. Deshalb sind auch SDH nicht vergütbar.

[ag]