Presseartikel

 

Kunst und Fluch der Unsichtbarkeit – Aufstand gegen Dumpinghonorare in der Untertitelungsbranche

Erstmals veröffentlicht im FILMDIENST 10/2014.

Untertitler leben mit einem Paradox: Wenn sie ihre Arbeit gut machen, bemerkt man sie nicht. Schlechte Untertitel hingegen fallen auf, im schlimmsten Fall machen sie den Film zunichte. Jetzt rührt sich in der Filmbranche erstmals breiterer – und überfälliger – Protest gegen die seit Jahren um sich greifende Branchenpraxis, die Honorare für Untertitelungen zu drücken.
Die englischsprachigen Untertitler in Frankreich haben mit einem Offenen Brief ihres neuen Verbandes Anglo Subtitlers in France (ASIF) im Vorfeld des Filmfestivals von Cannes ein eindrucksvolles Zeichen gesetzt. Ihre zeitgleich gestartete Petition wird von prominenten Filmemachern wie Roman Polanski unterstützt. Man darf gespannt sein, ob die Debatte auch beim Festival selbst Thema sein wird. Zumal bei englischen Fassungen für internationale Festivals das Druckpotenzial am größten ist: Mit einer stilistisch, inhaltlich und filmästhetisch stimmigen Übersetzung steht und fällt schließlich die Erfolgschance eines Films. Doch wenn bei fallenden Honoraren gleichzeitig der Zeitdruck steigt, das zur Verfügung gestellte Ausgangsmaterial fehlerhaft ist, notwendige Korrekturschritte gestrichen werden und aufwändige Recherchen unbezahlt bleiben, leidet unweigerlich die Qualität der Untertitelung – und die Filmbranche muss auf die Bereitschaft ihrer hoch qualifizierten Übersetzer zur Selbstausbeutung setzen.
In Deutschland und Österreich ist die Situation der Untertitelübersetzer noch düsterer als in Frankreich, wo traditionell bislang höhere Honorare gezahlt wurden und eine politisch aktive Verbandsstruktur vorhanden ist. Auch hierzulande dreht sich die Preisspirale stetig nach unten, angetrieben vor allem durch die Auftragsvergabe-Praxis im TV- und DVD-Bereich. Zunehmend lassen Untertitelungsagenturen die Arbeit von Praktikanten und Studenten erledigen oder suchen sich ihre Freiberufler im billigeren Ausland. Es ist also höchste Zeit, die Unsichtbaren sichtbar zu machen und für eine angemessene Vergütung zu streiten.

[np]

 


Zum Themenschwerpunkt Untertitelung des Online-Magazins ReLü  (Ausgabe 14, Frühjahr 2013) haben die Forumsmitglieder Nadine Püschel und Frank Salhberger Artikel beigesteuert. In einem Branchenüberblick geht es um die Situation von Übersetzern audiovisueller Medien. Frank Sahlbergers Werkstattbericht bietet einen unterhaltsamen Einblick in die praktische Arbeit anhand der Untertitelung von David Ayers End of Watch. Ein Artikel über erste Erfahrungen mit dem Thema Untertitelung sowie ein leuchtendes Beispiel für die Kunst der Untertitelung – eine Rezension von Silke Pfeiffer über Isabel Meyns und Andrea Kirchhartz’ Untertitelung von Abdellatif Kechiches „Couscous mit Fisch“ runden das Thema ab.

Wir freuen uns immer über kompetent-kritische Besprechungen unserer Arbeit. Hinweise auf Rezensionen und Artikel, die auf Filmübersetzungen eingehen, nehmen wir gern entgegen!